Tao Teh King, Kapitel 2

2. Pflege der Persönlichkeit

 

Wenn auf Erden alle das Schöne als schön erkennen,

so ist dadurch schon das Häßliche gesetzt.

Wenn auf Erden alle das Gute als gut erkennen,

so ist dadurch schon das Nichtgute gesetzt.

Denn Sein und Nichtsein erzeugen einander.

Schwer und Leicht vollenden einander.

Hoch und Tief verkehren einander.

Stimme und Ton sich vermählen einander.

Vorher und Nachher folgen einander.

 

Also auch der Suchende:

Er verweilt im Wirken ohne Handeln.

Er übt Belehrung ohne Reden.

Alle Wesen treten hervor,

und er verweigert sich ihnen nicht.

Er erzeugt und besitzt nicht.

Erwirkt und behält nicht.

Ist das Werk vollbracht,

so verharrt er nicht dabei.

Und eben weil er nicht verharrt,

bleibt er nicht verlassen.

 

 

 

II – Die Energie – Quelle des Selbst

 

1. Alle Menschen wissen, dass Schönheit und Hässlichkeit in Wechselbeziehung zueinander stehen,

ebenso wie Geschick und Unbeholfenheit. Das Eine beinhaltet das Andere und erweckt dessen Vorstellung.

 

2. Derarts stehen sich auch Existenz und Nicht-Existenz gegenüber;1 so ist es auch mit Einfachheit und Schwierigkeit; Länge und Kürze; Höhe und Tiefe. So existiert auch Musik aus der Harmonie der Gegensätze;² Zeit und Raum bedingen einander über die Kontraposition.

 

3. Durch Verwendung dieser Methode kann der Weise seinen Willen ohne Handlung erfüllen und sein Wort ohne Sprache ausdrücken.³

 

4. All diese Dinge entstehen ohne Zwietracht; sie wachsen, und niemand mischt sich ein; sie verändern sich entsprechend ihrer natürlichen Ordnung, ohne Begierde nach Ergebnis. Das Werk ist vervollständigt; dennoch setzt es sich unbewusst und ziellos in seinem Orbit fort. Daher ist seine Energie unerschöpflich.

¹ z.B. enhält der Gedanke eines jeden Etwas ebenso sein Gegenteil

² Nein sogar
Dies zeigt, wie sich das Tao selbst durch seine wechselseitigen Phasen verwirklicht. Um in der Sprache der Qabalisten oder Elektriker zu sprechen drückt sich 0 als +1 + (-1) aus.

³ Unser Tun hängt von der Unvollständigkeit der Summierung der Prozesse ab. Derarts schreitet ein Mann mit vier Meilen pro Stunde gen Osten, obwohl er bereits mit über 1000 Meilen pro Stunde in diese Richtung reist. Das Ende einer Medidation über Handlung ist die Realisation von Hadit; wobei jede Handlung eine Störung dieser Perfektion erwirken würde. Dies vom wahren Selbst verstanden, lässt den Geist und Körper ungehindert auf seinem natürlichen Pfad voranschreiten, ohne Verlangen von Seiten des Selbst.

 

 

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