Tao Teh King, Kapitel 3

 

 

3. Friede auf Erden


 

Die Tüchtigen nicht bevorzugen,
so macht man, daß das Volk nicht streitet.
Kostbarkeiten nicht schätzen, so macht man,
daß das Volk nicht stiehlt.
Nichts Begehrenswertes zeigen,
so macht man, daß des Volkes Herz nicht wirr wird.

 

Darum regiert der Berufene also:
Er leert ihre Herzen und füllt ihren Leib.
Er schwächt ihren Willen und stärkt ihre Knochen
und macht, daß das Volk ohne Wissen
und ohne Wünsche bleibt,
und sorgt dafür, daß jene Wissenden nicht zu handeln wagen.
Er macht das Nichtmachen,
so kommt alles in Ordnung.

 

 

 

 

Kapitel III

 

 

 

Das Volk beruhigen

 

1. Nach dem Verdienst zu streben heisst, Nacheiferei anzustacheln; Raritäten zu preisen heisst, Raub zu ermutigen; begehrenswerte Dinge zu zeigen heisst, die Unordnung der Habgierigkeit zu erregen.

 

2. Deshalb regiert der Weise Menschen, indem er deren Bewusstsein und Körper ruhig hält, das Eine mit Leerheit bekämpfend, das Andere mit Fülle. Er befriedigt ihre Begierden, vollfüllt derarts ihre Willen und macht sie reibungslos; und er macht sie körperlich stark zu einem ebensolchen Zweck.

 

3. Er erlöst sie von der Ruhelosigkeit des Wissens und dem Verlangen der Unzufriedenheit. Wie Jenen die bereits Wissen haben, lehrt er sie den Weg des Nicht-Handelns. Ist dies sicher gestellt, gibt es keine Verwirrung in der Welt.¹

 

¹) Eine Lektion über das Arbeiter-Problem. (Friedrich Nietzsche geht auf dieses Problem ausführlich ein, u.A. in „Die Geburt der Tragödie aus dem Geiste der Musik“, „Menschliches, Allzumenschliches“, Anm. d. Übers)

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